Eine nervige Schleichwerbung in der Schultüte

Unsere jüngste Tochter wurde vor wenigen Wochen eingeschult. Wie jedes Jahr werben die Supermärkte mit kostenlosen Schultüten, die mit mehr oder weniger gesunden Dingen gefüllt sind. So wollte Philine unbedingt, dass wir den Coupon dazu bei Netto einlösen. Gesagt, getan.

Neben vielen netten Dingen wie Äpfel und Zahnpasta, war darin dann auch ein Mini-Büchlein mit dem Titel „Das drachenstarke Pausenbrot“ eingepackt. In dieser Geschichte geht Lina mit Ihrer Mutter einen Tag vor ihrer Einschulung in den Netto Supermarkt zum einkaufen. Dort kündigt die Mama an: „Du bist nun groß genug dir dein Pausenbrot selbst auszusuchen“, da zuletzt im Kindergarten das Vesper oft nicht angerührt zurück kehrte – das kennen viele Eltern ja zu genüge.

Lina ist begeistert und rennt sofort in die Süßwarenabteilung. Dort wird sie von dem grünen Drachen Tabaluga aufgehalten, noch bevor die Mutter selbst eingreifen kann. Tabaluga erklärt ihr, dass Schokoriegel ein doofes Pausenbrot ist, man davon dick wird, einem die Zähne ausfallen und man schnell müde wird. Statt dessen soll sie doch ein Vollkornbrot mit etwas Wurst und Käse (ich runzle die Stirn) und ein bisschen (aha, nur ein bisschen?) Obst und Gemüse auswählen. Leicht versöhnlich ist dann die Erklärung, warum zwischendurch eine Mahlzeit in der Schule ganz nützlich sein kann, um wieder Energie aufzutanken, wie eine Blume immer mal ein wenig Wasser benötigt.

Jedoch ab Seite 10 wird dann – nachdem zum jungen Leser bzw. zum fürsorglichen Vorleser ein erstes Vertrauen aufgebaut wurde – die wahre Botschaft dieses kleinen Büchleins eingeschlichen: „Bei Netto gibt es übrigens auch Sachen von mir! Da bin ich drauf“, sagt Tabaluga stolz und zeigt auf die Mini Gurken, die sogar gezeichnet in viel unnötigem Plastik eingepackt sind. Um aber gleich wieder abzulenken, wird auf die Tabaluga-Stiftung verwiesen (die an sich bestimmt eine gute Sache ist) und beim Kauf der Produkte ein Teil gespendet wird. Warum nicht gleich direkt dort spenden, ohne unnötigem drum rum – der Puls steigt weiter.

Zur Sicherheit geht Tabaluga nach dem Einkauf mit zur Familie heim, um sicherzustellen, dass auch brav alle Tabaluga Produkte verwendet werden, wie die Mini-Gurken und die Zahnpasta. Auch beim Frühstück und beim Pausenbrot machen steht Tabaluga mit Rat & Tat daneben. Da darf natürlich als große Überraschung in der Vesperbox der Tabluga Smoothie nicht fehlen. Auch sehr effektvoll ist dann die Geschichte, als nach der großen Pause einige Kinder schlimme Bauchschmerzen bekommen oder sehr müde werden. Außer Lina, die durch das gesunden Tabaluga-Frühstück selbstverständlich gut gelaunt und fit den ersten Schultag verbringt.

Keine Frage, der allgemeine Teil der Geschichte ist sicher zu begrüßen, dass zu einseitiges und überzuckertes Essen einfach ungesund ist, und nichts in der Versperbox der Schüler zu suchen hat. Aber diese Produktinfiltrierung macht mich einfach rasend. Weil Kinder darauf einfach abfahren, und darauf drängen, und es dann doch wieder zum einseitigen Vesper führt.

Der letzte Satz in der Geschichte bringt mich letzendlich dazu, das Büchlein wegzuwerfen: … da antwortet Mama „Lass uns gleich auf dem Heimweg zu Netto Marken-Discount gehen um für das nächste drachenstarke Pausenbrot einzukaufen.“ – Nein danke, ohne uns!

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